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Jubiläumsveranstaltung: Der Omnibus im ÖPNV

Die Bezirksvereinigung Mecklenburg-Vorpommern der DVWG konnte im Oktober 2010 ihr 20jähriges Jubiläum begehen. Die 1990 gegründete BV entwickelte sich nach anfänglicher etwas einseitiger Ausrichtung auf die Schifffahrt dann sehr schnell zu einem verkehrszweige-übergreifenden und gleichzeitig stark logistisch orientierten Gremium.
In den vergangenen 20 Jahren wurden etwa 200 wissenschaftliche Veranstaltungen durch die BV organisiert und durchgeführt. Ihr Spektrum reichte von Einzelvorträgen über Kolloquien, Exkursionen bis hin zu mehrtägigen Konferenzen mit internationaler Beteiligung.

Im Jubiläumsmonat führte die BV Mecklenburg-Vorpommern am 26.10.2010 gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer zu Rostock eine weitere Veranstaltung durch. Das Thema lautete „Omnibusse im Öffentlichen Verkehr – Neue Entwicklungen und Perspektiven“.
Als Referent konnte Herr Dipl.-Ing. Dietmar M. Weiß von der Daimler AG Society and Technology Research Group gewonnen werden. Er sprach über die Bedeutung des Omnibusses im ÖPNV und spannte dabei einen Bogen von den Anfängen mit Pferde-Omnibussen über die ersten Motor-Omnibusse bis hin zu den modernen Omnibussen der Gegenwart und wagte auch einen Ausblick auf die Zukunft dieses bedeutsamen Personenverkehrsmittels.

Die hohe betriebliche Flexibilität besonders im Vergleich zu den schienengebundenen Verkehrsmitteln gestattet den Omnibussen ein sehr breites Leistungsspektrum. Dazu gehören vor allem

  • die Flächenerschließung als Basis des ÖPNV,
  • die Bedienung von Verkehrsachsen,
  • der Einsatz von Express- und Schnellbussen,
  • die Bedienung von Zeiten und Räumen mit schwacher Verkehrsnachfrage (Anrufbusse, Nachtbusse),
  • die Durchführung von Sonderverkehren für bestimmte Zielgruppen und Veranstaltungen und
  • die schnelle Organisation von Ersatzverkehren für andere Verkehrsmittel

Der Reisekomfort und die Verkehrssicherheit der Busse haben sich permanent verbessert. Kraftstoffverbrauch und Schadstoffemissionen konnten besonders in den letzten 15 Jahren signifikant reduziert werden.

Die große Flexibilität im Einsatz und die hohe Flächenerschließung des Busses bilden den wesentlichen Vorteil gegenüber dem schienengebundenen Fahrzeugen des ÖPNV. Die Verkehrsleistung (Pkm) der Busse liegt in fast allen deutschen Flächenländern höher als bei den Straßen- und U-Bahnen. Bezogen auf die Fahrgastzahlen gewinnt der Omnibusverkehr aber auch in Großstädten spürbar an Bedeutung.

Die Gesamtkosten für den Betrieb eines Linienbusses wurden mit ca. 150 000 bis 300 000 € pro Jahr beziffert, wobei die Kosten für das Fahrpersonal mit 40 bis 60 % den deutlich höchsten Anteil haben. Es folgen mit 15 bis 20 % die Fahrzeugabschreibung und mit 10 bis 15 % die Kraftstoffkosten.
Der hohe Personalaufwand ist die wesentliche Ursache dafür, dass die ÖPNV-Tarife deutlich über den Kraftstoffkosten für die individuelle Pkw-Nutzung liegen. Diese hohe Kostendifferenz ist bekanntlich einer der Hauptgründe für die häufige Dominanz des Pkw-Verkehrs im modal split. Problematisch für den Busverkehr sind darüber hinaus der Bevölkerungsrückgang in den peripheren Klein- und Mittelzentren sowie die deutliche Verringerung des Schülerverkehrs.

Vor allem in den Ballungsgebieten gibt es inzwischen sehr attraktive und außerordentlich leistungsfähige Bussysteme. Der Referent zeigte und erläuterte Beispiele der Städte Adelaide, Curitiba, Bogota, Istanbul und Nantes.
Kennzeichnend für solche moderne Systeme sind u.a. eigene Busstraßen bzw. –spuren zumindest auf stangegeführten Strecken, umfassende Bevorrechtigungsmaßnahmen, attraktive Zugangsstellen und spezifische Fahrzeuge mit großer Fahrgastkapazität.
An der technischen Weiterentwicklung der Busse wird gearbeitet. Das gilt z.B. für alternative Antriebstechnologien (Erdgas-Busse, Diesel-Hybrid, Wasserstoff-Verbrennung, Brennstoffzelle) und neue Fahrzeugkonzepte (Anhänger-Busse, Groß-Gelenkbusse, Doppel-Gelenkbusse). Neben Vorteilen haben alle diese Konzepte heute auch noch Nachteile und damit Hemmschwellen für ihren Durchbruch.

Mit weiteren Fortschritten in der Informations- und Kommunikationstechnologie (Mobiltelefon – Organizer ) könnte das seit Jahren bekannte Anrufsystem eine völlig neue Qualität erreichen, weil die individuelle Fahrzeugplanung und –anmeldung dann drastisch verbessert und gleichzeitig vereinfacht werden könnte.

Nach dem Vortrag kam es zu einer interessanten Diskussionsrunde, bei der vor allem über Vor- und Nachteile des Busses gegenüber dem schienengebundenen ÖPNV, alternative Antriebskonzepte, Bus-Fernverkehre, Einsatzmöglichkeiten von Doppelstockbussen sowie über die Verkehrs- und Betriebssicherheit gesprochen und auch gestritten wurde. 
Die Teilnehmer der Veranstaltung waren sich einig, dass die weitere technische und logistische Entwicklung des Omnibusses in den kommenden Jahren verkehrstheoretisch wie auch –praktisch bedeutsam und interessant bleiben wird.